Inositol: Seine Rolle bei Hormonen & Stimmung
Inositol: Seine Rolle bei Hormonen & Stimmung
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Ihr Zyklus ziemlich durcheinander ist, oder hat Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin beim letzten Check-up in der Hausarztpraxis das Stichwort „Insulinresistenz“ erwähnt? Inositol taucht immer wieder in Gesprächen über PCOS und Blutzucker auf – aber was ist es eigentlich, und hält die Wissenschaft, was versprochen wird?
Was ist Inositol?
Inositol ist eine natürlich vorkommende zuckerähnliche Verbindung, die Leber und Nieren bereits selbst aus Glukose herstellen. Deshalb wird es manchmal „Vitamin B8“ genannt, obwohl es gar kein echtes Vitamin ist. Es existiert in neun verschiedenen Formen, doch die beiden wichtigsten für die Gesundheit sind Myo-Inositol und D-chiro-Inositol.
Inositol ist ein Polyalkohol mit neun Stereoisomeren, und zwei davon vermitteln nachweislich die postrezeptorielle Wirkung von Insulin: Myo-Inositol und D-chiro-Inositol. Diese beiden Formen kommen im Körper natürlicherweise in einem Verhältnis von etwa 40 Teilen Myo-Inositol zu 1 Teil D-chiro-Inositol vor, und dieses Gleichgewicht scheint dafür von Bedeutung zu sein, wie gut Inositol wirkt.
Warum nehmen Menschen es ein?
Inositol und PCOS: Was die Forschung zeigt
Hier ist die Forschungslage zu Inositol am umfangreichsten. Eine Metaanalyse kam zu dem Ergebnis, dass Inositole einen günstigen Effekt auf alle Aspekte von PCOS haben: Sie senkten das Gesamt- und das freie Testosteron im Serum sowie die Androstendion-Spiegel, erhöhten die SHBG-Spiegel, normalisierten die Zykluslänge und senkten die Nüchternwerte von Glukose und Insulin. Für Frauen, die unregelmäßige Zyklen mit einem fordernden Arbeitsalltag unter einen Hut bringen müssen, ist das ein wichtiger Teil des Reizes. Von den untersuchten Isomeren hat Myo-Inositol den am besten belegten Nutzen, und im Vergleich zu Metformin zeigten Inositole weniger Nebenwirkungen.
Dem Körper helfen, Insulin effizienter zu nutzen
Inositol ist Teil des Signalwegs, der Ihren Zellen mitteilt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Myo-Inositol ist eine Inositol-Isoform mit insulinähnlicher Wirkung im Körper, die als Vermittler von Insulin fungiert und bei der Synthese von Lipiden und beim Aufbau von Zellmembranen eine Rolle spielt. Das ist relevant für alle, die mit trägen Blutzuckerschwankungen zu tun haben, wie sie oft auf ein Weißwurstfrühstück in einem Münchner Wirtshaus mit Brezn und süßem Senf folgen – Inositol macht die Mahlzeit nicht ungeschehen, aber der zugrunde liegende Insulinsignalweg, den es unterstützt, ist derselbe, den auch Vorsorgeuntersuchungen wie der Gesundheits-Check-up in den Blick nehmen.
Blutzucker in der Schwangerschaft
Myo-Inositol ist ein häufig verwendetes Nahrungsergänzungsmittel mit günstiger Wirkung auf den Glukosestoffwechsel und die Insulinempfindlichkeit, und eine optimale Zufuhr wird bei Frauen mit PCOS mit niedrigeren Glukose-, niedrigeren Insulin- und niedrigeren Testosteronspiegeln in Verbindung gebracht. Einige Studien haben speziell Inositol in der Schwangerschaft bei Frauen mit höherem Risiko für Schwangerschaftsdiabetes untersucht. Hier sollten Sie jedoch immer direkt mit Ihrer Gynäkologin bzw. Ihrem Gynäkologen zusammenarbeiten, statt auf eigene Faust zu supplementieren.
Inositol und Stimmung: Was die Forschung zeigt
Inositol speist ein Signalsystem im Gehirn, das mit Serotonin zusammenhängt, dem Neurotransmitter, der mit der Stimmungsregulation verbunden ist. In frühen Studien gingen Häufigkeit und Schwere von Panikattacken sowie die Schwere der Agoraphobie unter Inositol im Vergleich zu Placebo deutlich zurück, und Inositol ist eine Vorstufe im Second-Messenger-Zyklus, der mit Serotonin und anderen Rezeptoren verknüpft ist, die an affektiven und Angststörungen beteiligt sind. Neuere Übersichtsarbeiten sind allerdings weniger eindeutig. Eine narrative Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass die Datenlage zur Wirksamkeit von Inositol bei psychiatrischen Erkrankungen trotz einiger positiver Befunde weiterhin umstritten ist und es daher noch nicht für den routinemäßigen klinischen Einsatz empfohlen werden kann. Man kann es als vielversprechendes Forschungsfeld betrachten, nicht als abschließende Antwort – ein nützlicher Hintergrund, wenn man aus Interesse an Gesundheitsoptimierung ein Auge darauf geworfen hat.
Bioverfügbarkeit & Aufnahme
Da Ihr Körper Inositol ohnehin selbst herstellt, ist die Aufnahme eigentlich nicht der Engpass – entscheidend sind die Verteilung und das Gleichgewicht zwischen den beiden Hauptformen. D-chiro-Inositol beeinträchtigt die Aufnahme von Myo-Inositol auf Darmebene, und die Aufnahme von freiem Inositol in die Gewebe erfolgt über einen natriumabhängigen Transporter, für den Myo-Inositol eine zehnmal höhere Affinität hat als D-chiro-Inositol. Das ist ein Grund dafür, dass Forschende vor allem auf das Verhältnis der beiden Formen achten und nicht nur auf die insgesamt aufgenommene Menge. Inositol ist außerdem wasserlöslich. Anders als bei fettlöslichen Nährstoffen müssen Sie es also nicht mit fettreichen Speisen wie einer Fischsemmel kombinieren, damit es aufgenommen wird.
Sicherheitshinweise
Die FDA hält Inositol für allgemein sicher, doch bei höheren Zufuhrmengen können bei manchen Menschen leichte Nebenwirkungen auftreten. Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen oder Durchfall wurden bei höheren Zufuhrmengen berichtet. Nur wenige Studien haben untersucht, ob Inositol für Säuglinge und Kinder sicher ist, und klinische Studien dauern in der Regel nicht länger als ein Jahr, sodass die Daten zur Langzeitsicherheit weiterhin begrenzt sind. Schwangere, Menschen mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung, die bereits Medikamente einnehmen, sowie Menschen mit Diabetes sollten vor der Einnahme eines Inositol-Präparats ärztlichen Rat einholen, da es die Wirkung von Medikamenten für Blutzucker oder Stimmung beeinflussen kann. Wie bei jedem online gekauften Nahrungsergänzungsmittel gilt: Kaufen Sie in einer etablierten Apotheke oder bei einem etablierten Händler, nicht bei einem unbekannten Anbieter aus dem Ausland.
Natürliche Lebensmittelquellen
Um etwas Inositol aufzunehmen, brauchen Sie kein Präparat – es steckt in erstaunlich vielen alltäglichen Lebensmitteln. Zu den inositolhaltigen Lebensmitteln zählen Mandeln, Walnüsse, Paranüsse, Hafer, Bohnen und Erbsen, Cantaloupe-Melone und Zitrusfrüchte (außer Zitronen); 4 oz Grapefruitsaft enthalten etwa 470 mg Myo-Inositol.
- Zitrusfrüchte wie Orangen und Grapefruit (Zitronen ausgenommen)
- Cantaloupe-Melone und andere Melonen
- Bohnen, Kichererbsen und Erbsen – häufig in vegetarischen Gerichten
- Mandeln, Walnüsse und Paranüsse
- Vollkornhafer und Vollkornprodukte
- Naturreis und andere unverarbeitete Getreidesorten
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Fazit
Inositol nimmt eine interessante Stellung ein: Es ist kein essenzieller Nährstoff, den Ihre Ernährung liefern muss, da der Körper es selbst herstellt. Die Forschung zu seiner Rolle bei PCOS, Insulinempfindlichkeit und möglicherweise Stimmung ist jedoch für eine Verbindung, die in der breiten Öffentlichkeit so wenig bekannt ist, wirklich umfangreich. Wenn Sie mit unregelmäßigen Zyklen, einer frischen PCOS-Diagnose oder bei einem Routine-Check auffälligen Blutzuckerwerten zu tun haben, ist es ein vernünftiges Thema für das Gespräch mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin. Erwarten Sie nur nicht, dass es allein die Folgen eines gewohnten Frühstücks aus Marmeladensemmel und süßem Milchkaffee ausgleicht – Lebensmittelquellen und Lebensstil zählen weiterhin mehr als jedes einzelne Präparat.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bitte sprechen Sie mit einer qualifizierten Fachperson im Gesundheitswesen, bevor Sie Ihre Ernährung oder Ihre Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ändern.
Quellen
- Cleveland Clinic
https://my.clevelandclinic.org/health/drugs/25173-inositol - WebMD
https://www.webmd.com/vitamins-supplements/inositol - PubMed Central (NIH)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8896029/ - PubMed Central (NIH)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9878965/ - PubMed Central (NIH)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9955821/ - Medical News Today
https://www.medicalnewstoday.com/articles/inositol