Amyloglucosidase: Das Enzym hinter der Stärkeverdauung
Amyloglucosidase: Das Enzym hinter der Stärkeverdauung
Haben Sie sich schon mal gefragt, warum aus einer Schüssel Haferbrei oder einer Pellkartoffel am Ende nutzbare Energie wird, statt dass sie einfach im Magen liegen bleibt? Enzyme wie Amyloglucosidase gehören zu diesem stillen, unscheinbaren Vorgang – und dieses hier spielt in Ihrem Essen eine größere Rolle, als die meisten wissen.
Was ist Amyloglucosidase?
Amyloglucosidase, besser bekannt als Glucoamylase, ist ein Enzym, das Stärke in Glucose spaltet – den einfachen Zucker, mit dem Ihr Körper tatsächlich arbeitet. Es setzt an den nicht-reduzierenden Enden der Stärkeketten an und löst Glucosemoleküle einzeln heraus. Wissenschaftlich ist es als EC 3.2.1.3 klassifiziert und wird hauptsächlich von Schimmelpilzen wie Aspergillus niger und bestimmten Rhizopus-Arten gebildet.
Amyloglucosidase wird nicht als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel nach Art eines Vitamins vermarktet. Meist taucht es an zwei Stellen auf: als technischer Hilfsstoff bei der Herstellung alltäglicher Lebensmittel und Getränke sowie als eine Zutat in Multi-Enzym-Mischungen neben Amylase, Protease und Lipase.
Beim Brauen baut dieses Enzym restliches Dextrin in der Würze ab, sodass ein Getränk mit weniger Restzucker und mehr Alkohol entsteht – ein Grund, warum es in der Getränkeindustrie seit Jahrzehnten ein verlässliches Arbeitspferd ist. Außerdem wird es eingesetzt, um Stärke in Maissirup umzuwandeln und Fruchtsäfte bei der Verarbeitung klar zu halten.
Warum nehmen Menschen es ein?
Die von der Amylase begonnene Arbeit zu Ende bringen
Ihr Speichel und Ihre Bauchspeicheldrüse bilden Amylase, die lange Stärkeketten in kürzere Stücke wie Maltose und Dextrine zerlegt. Doch diese Stücke sind noch nicht klein genug, um aufgenommen zu werden. In Ihrer Darmschleimhaut vollenden Enzymkomplexe, darunter die Maltase-Glucoamylase, den Abbau zu freier Glucose, die Ihr Körper tatsächlich nutzen kann. Man geht davon aus, dass zusätzlich zugeführte Amyloglucosidase im Verdauungstrakt auf ähnliche, ergänzende Weise wirkt.
Unterstützung bei stärkereichen Mahlzeiten
Die Ernährung in Deutschland stützt sich stark auf Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis – ein Brötchen zum Frühstück, eine Stulle mittags, abends Nudeln oder Pellkartoffeln. Diese Mahlzeiten sind kohlenhydratreich, aber oft eher ballaststoffarm – genau das Essmuster, bei dem manche Menschen berichten, sich hinterher schwer oder aufgebläht zu fühlen. Enzymmischungen mit Amyloglucosidase werden mit der Idee beworben, dass zusätzliche stärkespaltende Kapazität diese Trägheit nach dem Essen lindern könnte – allerdings ist das für die meisten gesunden Menschen eher Theorie als erwiesenes Ergebnis.
Eine häufige Zutat in Multi-Enzym-Mischungen
Amyloglucosidase wird meist nicht einzeln verkauft, sondern steckt in Kombinationspräparaten, die auf allgemeines Verdauungswohlbefinden abzielen. Diese Produkte werden vielfach damit beworben, Blähungen, Gasbildung und unregelmäßigen Stuhlgang zu beseitigen, doch für die meisten Menschen ist die Beleglage dafür, dass sie tatsächlich helfen, dünn. Das heißt nicht, dass sie für alle nutzlos sind – es heißt, dass ein Nutzen keineswegs garantiert ist.
Bestimmte Enzymmängel
Ärzte empfehlen mitunter verschreibungspflichtige Verdauungsenzyme für Menschen, deren Körper selbst tatsächlich nicht genug davon herstellen kann, etwa bei chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Mukoviszidose. Wenn bei Ihnen eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse oder eine Malabsorption diagnostiziert wurde, gehört das in ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und ist keine Entscheidung fürs Supplement-Regal.
Bioverfügbarkeit & Aufnahme
Amyloglucosidase wird nicht „aufgenommen“ wie ein Vitamin oder Mineralstoff. Als Enzym erfüllt es seine Aufgabe im Darm selbst – es muss nicht in Ihren Blutkreislauf gelangen, um zu wirken. Es muss lediglich den richtigen Abschnitt Ihres Verdauungstrakts noch in aktivem Zustand erreichen.
Das ist tatsächlich der schwierigere Teil. Magensäure greift Proteine stark an, und Enzyme sind Proteine. Die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten Zubereitungen sind in der Regel so gestaltet, dass sie diese saure Umgebung lange genug überstehen, um weiter hinten im Dünndarm auf Stärke zu wirken, wo die Verdauung komplexer Kohlenhydrate größtenteils abgeschlossen wird.
Interessanterweise ist dasselbe Enzym ein Standardwerkzeug im Labor, um zu messen, wie schnell verschiedene stärkehaltige Lebensmittel verdaut werden. Forschende setzen es zusammen mit Amylase im sogenannten Englyst-Assay ein, um Stärke in schnell verdauliche, langsam verdauliche und resistente Anteile einzuteilen – dieselbe Logik, die erklärt, warum weißer Reis und Vollkornreis Ihren Blutzucker unterschiedlich beeinflussen.
Sicherheit im Überblick
Amyloglucosidase wird seit langem als technischer Hilfsstoff in der Lebensmittelverarbeitung verwendet, und behördliche Sicherheitsbewertungen von Glucoamylase aus gentechnisch veränderten Mikroorganismenstämmen haben im Allgemeinen keine Sicherheitsbedenken aufgrund der vorgenommenen genetischen Veränderungen ergeben; das fertige Enzympräparat ist frei von Produktionsorganismen und deren DNA. Das ist ein beruhigender Hintergrund, bezieht sich aber auf die Verwendung bei der Lebensmittelverarbeitung und nicht zwingend auf die langfristige Einnahme konzentrierter Enzympräparate.
Da es aus Pilzen gewonnen wird, sollten Menschen mit Schimmel- oder Pilzallergien Etiketten von Nahrungsergänzungsmitteln sorgfältig lesen und vor der Einnahme einer Enzymmischung Rücksprache mit einer Apothekerin, einem Apotheker oder ihrem Arzt halten. Frei verkäufliche Enzympräparate werden nicht wie Arzneimittel reguliert, die Hersteller müssen also ihre Wirksamkeit nicht belegen, und es ist ratsam, vor Beginn der Einnahme mit einem Arzt zu sprechen – besonders in der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Diabetes, da die gesamte Funktion dieses Enzyms darin besteht, Glucose aus Stärke freizusetzen.
Die meisten Menschen vertragen Verdauungsenzym-Mischungen problemlos, wobei leichte Verdauungsbeschwerden zu Beginn der Einnahme bei jedem Enzympräparat nicht ungewöhnlich sind.
Natürliche Lebensmittelquellen
Amyloglucosidase steht auf keinem Lebensmitteletikett als Nährstoff, aber Sie nehmen vermutlich häufiger Spuren davon zu sich, als Sie denken, denn es wird bei der Herstellung folgender Produkte verwendet:
- Bier und andere fermentierte alkoholische Getränke, bei denen es hilft, Stärke in vergärbare Zucker umzuwandeln
- Maissirup und andere Glucosesirupe, die in verpackten Lebensmitteln und Getränken verwendet werden
- Manche industriell gebackenen Brote und Gebäcke, bei denen es zur Steuerung von Süße und Textur eingesetzt wird
- Traditionelle, mit Schimmelpilzen fermentierte Lebensmittel wie Tempeh und Sake, die mithilfe derselben Pilzfamilien (Rhizopus und Aspergillus) hergestellt werden, die dieses Enzym natürlicherweise bilden
- Bestimmte geklärte Fruchtsäfte, bei denen es zum Abbau von Reststärke beiträgt, die sonst Trübungen verursachen kann.
Weitere Artikel
Verwandte Nährstoffe entdecken
Schlussgedanken
Amyloglucosidase ist weniger ein Wellness-Trend als vielmehr ein stilles Arbeitspferd – ein Enzym, das seit Jahrzehnten beim Bierbrauen, beim Süßen von Brot und beim Klären von Saft mitwirkt, bevor es in jüngerer Zeit als eine Zutat unter mehreren in Verdauungsenzym-Mischungen auftaucht. Wenn bei Ihnen eine Verdauungserkrankung diagnostiziert wurde, sollten Sie Enzympräparate mit einer medizinischen Fachperson besprechen, statt zu raten. Für alle anderen, die ihr gewohntes Brot, ihre Nudeln und Kartoffeln essen, leisten die körpereigene Amylase und die Enzyme im Darm den Großteil dieser Arbeit ohnehin jeden Tag.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bitte sprechen Sie mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson, bevor Sie Ihre Ernährung oder Ihre Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ändern.
Quellen
- PubMed Central (NIH)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7009475/ - PubMed Central (NIH)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6163121/ - ScienceDirect
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0733521014001829 - ScienceDirect
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1466856412000458