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Kamille: Das beruhigende Kraut für besseren Schlaf

Published: 2026-08-21·Authored by My Health N Wellness editorial team
KräuterteeSchlafEntspannungVerdauung
⏱️ 5 Min. Lesezeit • Evidenzbasiert

Kamille: Das beruhigende Kraut für besseren Schlaf

Es ist 23 Uhr, Sie haben gerade die letzten Nachrichten von der Arbeit beantwortet, und Ihr Kopf rattert immer noch. Statt eines weiteren Kaffees oder eines kräftigen schwarzen Tees greifen Sie zu etwas Koffeinfreiem und Warmem: einer Tasse Kamillentee. Aber hilft diese gänseblümchenähnliche Blüte tatsächlich beim Runterkommen, oder ist sie einfach ein gemütliches Abendritual?

Was ist Kamille?

Kamille ist eine kleine, gänseblümchenförmige Blume aus der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae) – derselben Familie, zu der auch Sonnenblumen, Ambrosia und Ringelblumen gehören. Für gesundheitliche Zwecke werden vor allem zwei Arten verwendet: die Echte Kamille (Matricaria chamomilla, auch Matricaria recutita genannt) und die Römische Kamille (Chamaemelum nobile). Von den vielen Kamillearten werden in Nahrungsergänzungsmitteln in der Regel nur 2 verwendet: Matricaria chamomilla und Chamaemelum nobile.

Die meisten Menschen kennen Kamille nur als getrockneten Teebeutel im Supermarktregal, neben grünem Tee und Pfefferminztee. Kamille, Pfefferminze und andere Tees, die nicht von der Pflanze Camellia sinensis stammen, gelten nicht als „echte“ Tees, sondern als Kräuter- oder Aufgussgetränke. Neben Tee gibt es Kamille auch als Kapseln, Flüssigextrakte und Cremes zur äußerlichen Anwendung. Die Kamillenblüte wird getrocknet und als Tee oder in Kapselform eingenommen, als Extrakt äußerlich aufgetragen oder in der Aromatherapie verwendet.

Warum nehmen Menschen sie ein?

Zur Ruhe kommen vor dem Schlafengehen

Das ist die bekannteste Verwendung der Kamille – eine warme Tasse nach dem Abendessen statt eines schweren Desserts oder einer weiteren Runde Kaffee. Kamille wird außerdem als mildes Beruhigungsmittel zur Verbesserung des Schlafs verwendet, und Menschen probieren Kamillentee und andere Kamilleprodukte bei Problemen wie Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, Stress, Angst und Depression aus. Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die mehrere klinische Studien zusammenfasste, fand, dass Kamille den Schlaf verbesserte, vor allem die Anzahl der nächtlichen Aufwachphasen bzw. das Durchschlafen, während sich die Gesamtschlafdauer und die Wachheit tagsüber nicht eindeutig verbesserten. Gesundheitsbehörden achten darauf, dies nicht überzubewerten – es gibt nur sehr wenige Informationen speziell zur Wirkung von Kamille auf Schlaflosigkeit, und eine Übersichtsarbeit von 2019 fand eine Studie zu Schlaflosigkeit, die für diese Erkrankung keinen Nutzen zeigte. Mit anderen Worten: Kamille kann Ihnen eher dabei helfen, zur Ruhe zu kommen, als eine tatsächliche Schlafstörung anzugehen.

Alltägliche Ängste etwas abmildern

Für die Art von leichtem Dauerstress, die viele von uns in der Arbeitswoche mit sich herumtragen, gibt es zur Kamille einige der vielversprechenderen (wenn auch noch frühen) Forschungsergebnisse. Begrenzte Daten zeigen, dass die kurzfristige Einnahme von Kamille wahrscheinlich sicher ist, das Blutungsrisiko bei gleichzeitiger Einnahme blutverdünnender Medikamente jedoch erhöhen kann, insbesondere bei hohen Dosen. Unabhängig davon stellte eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2016 mit 179 Teilnehmenden mit mittelschwerer bis schwerer generalisierter Angststörung fest, dass Kamillenextrakt über 8 Wochen eine klinisch bedeutsame Verringerung der Angstsymptome bewirkte. Das macht Kamille nicht zu einer Behandlung diagnostizierter Angststörungen, erklärt aber vielleicht, warum so viele Menschen in einer stressigen Prüfungsphase oder einem vollgepackten Arbeitsquartal danach greifen.

Den Magen beruhigen

Lange bevor sie ein Abendgetränk war, wurde Kamille traditionell als Verdauungshilfe verwendet, und diese Tradition ist ein Grund, warum sie nach einer schweren Mahlzeit bis heute empfohlen wird. Menschen nehmen Kamille ein, um Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Symptome der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) und Verdauungsstörungen zu lindern. Bei einem Völlegefühl nach einem deftigen Teller Labskaus oder einem üppigen Sonntagsbraten ist ein warmer, ungesüßter Kamillentee oft schonender für den Magen als ein weiteres süßes Getränk – er ist allerdings eine Wohlfühlmaßnahme und kein Heilmittel gegen anhaltende Verdauungsprobleme.

Gereizte Haut beruhigen

Äußerlich aufgetragen statt getrunken, wird Kamille seit langem als beruhigender Wirkstoff verwendet. Menschen legen eine Kompresse mit Kamillenextrakt auf, um gereizte Haut zu beruhigen, etwa bei Ekzemen, Giftefeu, Windelausschlag und Windpocken. Einige frühe Untersuchungen haben Kamille mit einer milden Steroidcreme verglichen, wobei die Belege begrenzt sind. Die Belege sind begrenzt, doch Kamille findet sich in vielen sanften Hautpflege- und Babypflegeprodukten.

Bioverfügbarkeit & Aufnahme

Der beruhigende Ruf der Kamille wird meist einem Flavonoid namens Apigenin zugeschrieben, zusammen mit Terpenoiden wie Bisabolol und Chamazulen, die im ätherischen Öl enthalten sind. Sie enthält verschiedene bioaktive Verbindungen, etwa Flavonoide wie Apigenin, Luteolin und Quercetin sowie Terpenoide wie Chamazulen, Bisabolol und Bisabololoxid, von denen angenommen wird, dass sie zu ihren möglichen schlaffördernden Effekten beitragen. Interessanterweise sind sich selbst Fachleute nicht ganz sicher, welcher Bestandteil die Hauptarbeit leistet: Wissenschaftler wissen nicht genau, welche Verbindung in der Kamille für die ihr zugeschriebene entspannende Wirkung verantwortlich sein könnte, und es kann auch sein, dass allein das Trinken von warmem Tee die Entspannung fördert.

Die Art der Einnahme spielt eine gewisse Rolle. Heißes Wasser hilft dabei, beim Ziehenlassen die wasserlöslichen Flavonoide aus den getrockneten Blüten herauszulösen – weshalb Tee die gängigste und am besten untersuchte Form ist. Kapseln und standardisierte Extrakte konzentrieren diese Verbindungen weiter, weshalb ihre Wirkungen – und ihre Wechselwirkungsrisiken – tendenziell stärker sind als bei einer einzelnen Tasse Tee.

Sicherheitshinweise

Für die meisten gesunden Erwachsenen, die ein bis zwei Tassen trinken, gilt Kamille als gut verträglich. Kamille ist bei oraler Einnahme in den Mengen, die üblicherweise in Tees und anderen Lebensmitteln vorkommen, wahrscheinlich sicher. Worauf man hauptsächlich achten sollte, sind Allergien und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und weniger der Tee selbst.

Wenn Sie gegen Ambrosia, Gänseblümchen, Ringelblumen oder Chrysanthemen allergisch sind, seien Sie vorsichtig – bei Menschen, die auf verwandte Pflanzen wie Ambrosia, Chrysanthemen, Ringelblumen oder Gänseblümchen allergisch sind, treten allergische Reaktionen auf Kamille wahrscheinlicher auf. Die Reaktionen sind meist mild, wobei Nebenwirkungen selten sind und bei manchen Menschen Übelkeit, Schwindel und allergische Reaktionen bis hin zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen und Anaphylaxie umfassen können.

Kamille kann außerdem mit bestimmten Medikamenten wechselwirken. Wechselwirkungen zwischen Kamille und einigen in der Leber verstoffwechselten Arzneimitteln sowie mit Warfarin, einem Blutverdünner, wurden berichtet, und es gibt theoretische Gründe für die Annahme, dass Kamille auch mit anderen Arzneimitteln wie Beruhigungsmitteln wechselwirken könnte. Sie kann auch hormonbezogene Medikamente beeinflussen: Kamille kann die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente und von Beruhigungsmitteln verstärken und könnte die Wirkung von Tamoxifen, Hormonersatztherapie und östrogenhaltigen oralen Verhütungsmitteln beeinträchtigen. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen – einschließlich Verhütungsmittel, Blutverdünner oder Schlafmittel –, lohnt sich ein kurzes Gespräch mit Ihrer Apothekerin, Ihrem Apotheker oder Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt, bevor Kamillentee zur täglichen Gewohnheit wird. Schwangere oder stillende Frauen sowie Eltern, die Kamille für kleine Kinder in Betracht ziehen, sollten ebenfalls zunächst medizinischen Rat einholen, da wenig darüber bekannt ist, ob die Anwendung von Kamille während der Schwangerschaft oder Stillzeit sicher ist.

Natürliche Quellen

Kamille ist kein Lebensmittel, mit dem man typischerweise in der Küche kocht – sie wird fast immer als Aufguss getrunken und nicht als Teil einer Mahlzeit gegessen. Gängige Möglichkeiten, sie aufzunehmen, sind:

  • Getrocknete Kamillenblüten oder Teebeutel, in heißem Wasser aufgegossen als koffeinfreier Kräutertee
  • Lose Kamillenblüten in Teemischungen, manchmal kombiniert mit Zitronengras oder Honig
  • Kamillenkapseln oder standardisierte Extrakte, eingenommen als Nahrungsergänzungsmittel
  • Ätherisches Kamillenöl, verwendet in Aromatherapie-Diffusoren oder verdünnt zur Anwendung auf der Haut
  • Cremes, Lotionen und Babypflegeprodukte mit Kamille
  • Als Aroma in einigen Backwaren, Marmeladen und Eissorten

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Fazit

Kamille ist kein Wundermittel gegen Schlaflosigkeit oder Ängste, aber die Belege stützen sie als sanfte, risikoarme Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen – besonders im Vergleich dazu, nach einem langen Arbeitstag zum nächsten zuckerhaltigen Getränk zu greifen oder durch das Handy zu scrollen. Wenn volle Terminkalender und ein hohes Alltagstempo wenig Raum für echte Erholung lassen, kann ein koffeinfreies Ritual wie Kamillentee ein kleiner, praktischer Baustein einer besseren Abendroutine sein, zusammen mit guten Schlafgewohnheiten und regelmäßiger Bewegung, etwa einem zügigen täglichen Spaziergang. Achten Sie nur auf Allergien und Wechselwirkungen mit Medikamenten und fragen Sie medizinisches Fachpersonal um Rat, wenn Sie schwanger sind, stillen oder regelmäßig Medikamente einnehmen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bitte wenden Sie sich an eine qualifizierte medizinische Fachperson, bevor Sie Ihre Ernährung oder Ihre Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ändern.

Quellen

  1. NIH NCCIH
    https://www.nccih.nih.gov/health/chamomile
  2. Mayo Clinic
    https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/generalized-anxiety-disorder/expert-answers/herbal-treatment-for-anxiety/faq-20057945
  3. PubMed Central (NIH)
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9822300/
  4. HealthHub Singapore 🇸🇬 SG
    https://www.healthhub.sg/well-being-and-lifestyle/food-diet-and-nutrition/eat-right-sleep-tight
  5. Harvard Health Publishing
    https://www.health.harvard.edu/diet-and-nutrition/the-health-benefits-of-3-herbal-teas
  6. ScienceDirect
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0965229924000591