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Ingwer: Die Alltagswurzel und was die Forschung sagt

Published: 2026-08-04·Authored by My Health N Wellness editorial team
IngwerVerdauungentzündungshemmendKräuter
⏱️ 5 Min. Lesezeit • Evidenzbasiert

Ingwer: Die Alltagswurzel und was die Forschung sagt

Flau im Magen vor einer langen Reise oder ein geschwollenes Knie nach dem Samstagskick mit Freunden? Gut möglich, dass dir schon jemand geraten hat, es mit Ingwer zu versuchen – und dieser Rat hat tatsächlich einiges an Wissenschaft hinter sich.

Was ist Ingwer?

Ingwer ist der knollige unterirdische Spross, das sogenannte Rhizom, der Pflanze Zingiber officinale – derselben Pflanze, die für die feurige Schärfe im Ginger Beer und das Aroma in Omas Hühnersuppe sorgt. In der traditionellen indischen und chinesischen Medizin wird er seit Tausenden von Jahren verwendet, lange bevor die Wissenschaft erklären konnte, warum.

Dass Ingwer so schmeckt und riecht, liegt an Verbindungen namens Gingerole und Shogaole. Gingerole sind der wichtigste bioaktive Bestandteil von Ingwer, und die Forschung hat gezeigt, dass Gingerole entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften haben. Wird Ingwer gekocht oder getrocknet, wandeln sich Gingerole in Shogaole um, deren gesundheitliche Vorteile die der Gingerole übertreffen. Das ist mit ein Grund, warum getrocknetes Ingwerpulver in einer Currypaste anders wirken kann als eine Scheibe frischer Ingwer, die in heißem Wasser zieht.

Warum nehmen Menschen ihn ein?

Übelkeit und Magenverstimmung

Das ist der bekannteste und am besten untersuchte Einsatzbereich von Ingwer. Die Forschung zeigt, dass Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft hilfreich sein kann. Ein großer Überblick über mehr als hundert klinische Studien kam bei verdauungsbedingter Übelkeit zu ähnlich ermutigenden Ergebnissen, während das Bild bei anderen Arten gemischter ist. Die meisten Studien zu Ingwer bei Reisekrankheit konnten keinen Nutzen zeigen, und es ist unklar, ob Ingwer eine sinnvolle Ergänzung zu den üblichen Behandlungen von Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Krebs-Chemotherapie ist. Für den Durchschnittsmenschen, dem auf dem Ausflugsdampfer auf dem Wannsee flau wird oder der nach einer fettigen Currywurst ein Grummeln im Bauch spürt, bleiben Ingwertee oder Ingwerbonbons eine vernünftige, risikoarme Option zum Ausprobieren.

Gelenkbeschwerden

Wenn dir schon aufgefallen ist, dass ältere Verwandte bei schmerzenden Knien zu Ingwerwickeln greifen, gibt es dafür eine nachvollziehbare Grundlage. Ingwer-Nahrungsergänzungsmittel könnten bei Symptomen von Kniearthrose hilfreich sein, doch ein Großteil der Forschung ist von geringer Qualität. Interessanterweise hat sich Ingwer bei äußerlicher Anwendung, also auf die Haut aufgetragen, bei Symptomen von Kniearthrose nicht als hilfreich erwiesen – der Effekt, sofern es ihn gibt, scheint also vom Essen oder Trinken auszugehen und nicht vom Einreiben.

Menstruationsbeschwerden

Die Forschung deutet darauf hin, dass Ingwer-Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein könnten, um die Stärke von Menstruationskrämpfen zu verringern. Einige Studien haben die Wirkung von Ingwer auf Regelschmerzen mit gängigen Schmerzmitteln verglichen und dabei recht ähnliche Ergebnisse gefunden. Das ist gut zu wissen, wenn du lieber zuerst eine Option aus der Küche ausprobieren möchtest, bevor du zu Medikamenten greifst.

Verdauung und Laborbefunde

Über die Übelkeit hinaus scheint Ingwer dabei zu helfen, Nahrung effizienter durch den Darm zu befördern. Das ist mit ein Grund, warum er in vielen asiatischen Küchen traditionell zu schwereren, fettigeren Mahlzeiten gereicht wird. Laborforschung hat außerdem ergeben, dass zu den gesundheitlichen Vorteilen von Ingwer antibakterielle, antivirale, antioxidative, entzündungshemmende, übelkeitslindernde und krebshemmende Eigenschaften gehören, wobei der genaue Mechanismus noch nicht vollständig verstanden ist; Studien zeigen, dass mehrere Wirkstoffe im Ingwer biologisch aktiv sind. Ein Großteil dieser antimikrobiellen und krebsbezogenen Forschung steht noch am Anfang und wurde im Labor oder an Tieren statt in großen Studien am Menschen durchgeführt – sie ist also vielversprechend, aber nicht bewiesen.

Bioverfügbarkeit & Aufnahme

Die Wirkstoffe im Ingwer werden vom Körper allein nicht besonders leicht aufgenommen. Gingerole sind fettlöslich und werden im Körper recht schnell abgebaut. Das ist ein Grund, warum Forschende untersucht haben, ob die Kombination von Ingwer mit anderen Zutaten helfen könnte.

Es gibt erste Laborhinweise darauf, dass Ingwerextrakt zusammen mit Gewürzen wie Kurkuma und schwarzem Pfeffer die Aufnahme bestimmter anderer Nährstoffe im Darm verbessern könnte. Diese Forschung ist allerdings noch vorläufig und größtenteils außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt worden. Im Alltag bestätigt das einfach etwas, das Currys und viele andere traditionelle Rezepte ohnehin instinktiv tun: Ingwer, Knoblauch, Kurkuma und Chili stehen selten allein in einem Gericht. Auch das Kochen oder Trocknen verändert die Chemie des Ingwers, indem mehr Gingerol in Shogaol umgewandelt wird. Das könnte erklären, warum traditionelle Zubereitungen oft getrockneten oder gekochten statt rohen Ingwer verlangen.

Sicherheit im Überblick

Ingwer wurde in vielen Studien, in denen er als Nahrungsergänzungsmittel oral eingenommen wurde, ohne Sicherheitsbedenken eingesetzt, und Ingwerprodukte können auch für die äußerliche Anwendung unbedenklich sein. Ganz ohne Nebenwirkungen ist er jedoch nicht. Bei oraler Einnahme kann Ingwer Nebenwirkungen wie Bauchbeschwerden, Sodbrennen, Durchfall sowie Reizungen in Mund und Rachen verursachen. Diese Effekte treten tendenziell eher bei konzentrierten Ingwer-Nahrungsergänzungsmitteln auf als bei Ingwer als Kochzutat oder im Tee.

Einige Gruppen sollten besonders vorsichtig sein. Ingwer kann das Blutungsrisiko erhöhen, vor allem wenn du zusätzlich blutverdünnende Mittel wie Warfarin oder Aspirin einnimmst. Sprich daher vor der Einnahme von Ingwer-Nahrungsergänzungsmitteln mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Da Ingwer die Abgabe von Galle aus der Gallenblase anregt, ist er bei Patientinnen und Patienten mit Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder Gallengangsentzündung (Cholangitis) kontraindiziert, und Ingwer wechselwirkt außerdem mit Warfarin und möglicherweise auch mit anderen gerinnungshemmenden Arzneimitteln. Wenn du schwanger bist: Die Einnahme von Ingwer-Nahrungsergänzungsmitteln in der Schwangerschaft kann unbedenklich sein, aber wie bei allen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln gilt: Wenn du Ingwer während der Schwangerschaft verwenden möchtest, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Über die Sicherheit von Ingwer in der Stillzeit ist wenig bekannt. Wenn du als vielbeschäftigte Berufstätige oder vielbeschäftigter Berufstätiger Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich zu verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Diabetes einnimmst, lohnt sich auch ein kurzer Check in der Apotheke, da Ingwer mit einigen dieser Arzneimittel wechselwirken kann.

Natürliche Nahrungsquellen

  • Frische Ingwerwurzel – in Scheiben in Suppen, Pfannengerichten oder als Tee aufgegossen
  • Ingwer in Küchenklassikern wie Currys, Pfannengerichten und selbstgemachter Hühnersuppe
  • Ingwertee (frischer Ingwer, in heißem Wasser ziehen gelassen), eine beliebte Bestellung im Café
  • Eingelegter Ingwer (Gari), oft zu Sushi serviert
  • Getrocknetes Ingwerpulver, verwendet zum Backen und in Gewürzmischungen
  • Ingwerbonbons oder kandierter Ingwer, eine praktische Option für unterwegs bei leichter Übelkeit
  • Ginger Ale oder Ginger Beer, wobei viele handelsübliche Varianten viel zugesetzten Zucker enthalten

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Fazit

Ingwer ist kein Wundermittel, aber eines der seltenen traditionellen Hausmittel, bei denen die Wissenschaft einen guten Teil der Überlieferung tatsächlich stützt – besonders bei Übelkeit, Regelschmerzen und möglicherweise bei Gelenkbeschwerden. Für die meisten Menschen, die ihn ohnehin regelmäßig in Currys, Pfannengerichten, der Hausmannskost oder einer warmen Tasse Ingwertee genießen, ist das eine tröstliche Bestätigung.

Komplizierter wird es bei konzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln, besonders wenn du schwanger bist, blutverdünnende Mittel einnimmst oder eine chronische Erkrankung hast – dann ist ein kurzes Gespräch mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder in der Apotheke wichtiger als sonst. Für den alltäglichen Gebrauch beim Kochen oder als gelegentlicher Tee bleibt Ingwer eine der einfachsten und am leichtesten zugänglichen Zutaten, auf die du zurückgreifen kannst.

Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bitte sprich mit einer qualifizierten Fachperson im Gesundheitswesen, bevor du deine Ernährung oder deine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln änderst.

Quellen

  1. NIH NCCIH
    https://www.nccih.nih.gov/health/ginger
  2. Harvard Health Publishing
    https://www.health.harvard.edu/healthy-aging-and-longevity/health-benefits-of-ginger-and-simple-ways-to-incorporate-this-zesty-root-into-your-diet
  3. HealthHub Singapore 🇸🇬 SG
    https://www.healthhub.sg/health-conditions/motion-sickness
  4. PubMed Central (NIH)
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7019938/
  5. WebMD
    https://www.webmd.com/vitamins-and-supplements/ginger-uses-and-risks
  6. Medical News Today
    https://www.medicalnewstoday.com/articles/265990